Es war ein harmonischer, friedlicher, ja fast schon langweiliger Abend: Die beiden Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Langgöns, Sabrina Zeaiter (SPD) und Marius Reusch (CDU), diskutierten am Dienstag ohne hitzige Debatten und Kontroversen vor 300 Zuhörern. Für Überraschung sorgte die eine oder andere Frage – wie zum Beispiel nach der Familienplanung.

Bleibenden Eindruck hinterließ vor allem das gegensätzliche Auftreten der Kandidaten. Zeaiter trug ihre Positionen kämpferisch und in rasantem Tempo vor, während sich Reusch in ruhigem, fast staatstragendem Ton gab. »Viele hier im Saal kennen mich«, war sein erster Satz auf der Bühne – so spielte er gleich zu Beginn den möglichen Heimvorteil als Oberkleener gegenüber der Gegenkandidatin aus Wetzlar aus.

Widerspruch bei Straßenbeiträgen

Eine Meinungsverschiedenheit gab es in der Diskussion um Straßenbeiträge. »Infrastruktur sollte von der Allgemeinheit getragen werden«, hob die SPD-Kandidatin hervor, während Reusch die Erhebung der Beiträge als sinnvoll bezeichnete. Keine Straße werde dann unnötig oder überteuert saniert. Wo in der Regel im Kreis Gießen die Anlieger mit 50 Prozent beteiligt werden, beträgt der Satz in Langgöns nur 30 Prozent, zudem meist nach Kürzung eines Anteils der Gemeindewerke für Wasser- und Kanalleitung.

Zum Thema der alternativen Energien erklärte Zeaiter, sie habe lieber ein Windrad im Garten stehen als ein Atom- oder Kohlekraftwerk in der Nähe. Eine konkrete Forderung, nun Windräder in Langgöns aufzustellen, war dies nicht, zumal die Gemeindevertretung beschlossen hat, in der Vorrangfläche zwischen Oberkleen und Niederkleen nichts zu entwickeln. Reusch betonte indes, aus Heimatliebe sei er »eindeutig gegen Windräder in unserer Gemeinde«.

Zeaiter regte eine Partnerschaft mit einer Stadt in Ostdeutschland sowie ein Dorfgemeinschaftsfest in allen Langgönser Ortsteilen an. Reusch lenkte den Blick unter anderem auf so manches Funkloch in Langgöns. »Mobiler Handyempfang gehört zur Infrastruktur wie Wasser und Straße.«

Aus dem Publikum kam schließlich eine eigentlich eher private Frage auf – nach der Familienplanung der Kandidaten. Reusch, verheiratet und Vater eines einjährigen Sohnes, erklärte, weiterer Nachwuchs liege »in Gottes Hand«. Zeaiter hat derweil ihre Hochzeit wegen der Kandidatur auf nächstes Jahr verschoben. Als müsste sie sich verteidigen, erklärte sie: »Mein Partner und ich sind seit elf Jahren zusammen. Es macht doch keinen Unterschied, ob wir nun ein Jahr später heiraten.« Es gehe ihr mit der Kandidatur außerdem nicht darum, Karriere zu machen, betonte sie. »Ich wäre nicht in jeder Gemeinde angetreten.«

Quelle: Gießener Allgemeine Zeitung, 18.10.2018

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